Monatsarchiv: Juni 2012

Wenn die Bibliothek zur Arena wird.

Das offizielle Emblem

Im Rahmen der langen Nacht der Wissenschaften hat ein grandioses Team der HTWK einen Poetry- und Science Slam in einem veranstaltet. Austragungsort der exzeptionellen Schlacht war kein geringerer als die altehrwürdige Biblioteca Albertina.
Bei den Poeten schlugen sich gegenseitig: Linn Penelope Micklitz. Peter Thiers. Martin Ahmad und Kornelius Friz, meine Wenigkeit. Nach meinem herben Ausscheiden in der Wärmehalle Süd (23.6.12) freue ich mich besonders, in dieser heißen Schlacht den Sieg und damit einhergehend einen güldenen Lorbeerkranz, einen Bildband über Leipzig, ein weiteres Buch und einen überdimensionalen Flaschenöffner davongetragen haben zu dürfen.

Vielen Dank an Lena Mittmann (+Team) & André Herrmann!

Die nächste Bühne für Kornelius:
Lesebühne Stubenreim am 11.07.2012 im plan b kulturkaffee.
Sachsenmeisterschaften am 20.07.2012 in der Saloppe Dresden.

Gefallen finden: Kornelius auf Facebook.

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Die Leipziger Autorin Christiane Dietering im Gespräch

Die neue Ausgabe der Radiosendung „LyrikBlassBlau“ ist ab sofort online nachzuhören.

Christiane und Kornelius mit Rotwein beim Durstigen Pegasus

Im Studio war Christiane Dietering zu Gast. Sie spricht von ihrem Leben als Autorin, erzählt von ihrer Abneigung, Lyrik zu schreiben und stellt ihre Werke vor. Mit einem Ausschnitt aus „Schau an! Verblüffendes aus der Märchenwelt“ überrascht sie alle Märchenkenner. Die Musik zur Sendung ist von der CD „Fremdgang“, einem musikalischen Projekt des Poetry Slammers Jesko Habert.
David Grashoff, der im deutschsprachigen Raum zwölftbeste Slammer des Jahres 2011 rundet die Sache mit seinem musikalisch unterlegten: „Herzschlagbohrer“ ab.

Weitere Infos zu Christianes Weken und Arbeiten: www.texttexterei.de

Veranstaltungstipps:

Montag, 25.06.2012 – Der durstige Pegasus – Moritzbastei, 20 Uhr

Freitag, 29.06.2012 – Lesebühne West – NochBesserLeben, 20.3o Uhr

Freitag, 29.06.2012 – Poetry & Science Slam in der Biblioteca Albertina, 21.30 Uhr

Mittwoch, 11.07.2012 – Leipzig – Lesebühne Stubenreim – 20 Uhr im plan b kulturkaffee, 20 Uhr

30.06.2012 – „Lucky Luke jagt Billy the Kid“ – Live-Hörspiel mit Christiane Dietering – Weißes Haus

07.07.2012 – „Lucky Luke jagt Billy the Kid“ – Live-Hörspiel mit Christiane Dietering – Weißes Haus, 16 Uhr

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Tour-Schluss-Panik

Seit Mittwoch bin ich unterwegs. In Berlin habe ich mit Bono und Alicia die Welt gerettet. Danke Anne.
Am Donnerstag habe ich im Café Moabit die Lesebühne Kurz Gelesen bespaßt. Danke Gunnar.
Am Freitag habe ich mit Marcus Richter den LiMa (Literaturpreis Magdeburg) gewonnen. Danke Marcus.
Und Spaß gehabt. Danke Franziska, danke Tim.
Am Samstag hat mich Trier zum Vize-Karl-Marx-Preisträger gemacht. Danke Svenja.
Am Sonntag hat mich in Montabaur jemand Literat genannt und barfuß bin ich 4. geworden. Danke AIDA.
Heute geht es nach Neuwied. Mal sehen, was da alles Neu wird.

 

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Ein erstes Liebesgedicht.

Ich vertraue Dir mehr als meiner selbst,

sagst Du und weichst meinen Blicken aus.

Hämische Kloster sprechen noch.

Werfe ich Dir an den Kopf und höre auf, Dich anzusehen.

.

Ich werde Dich nicht gehen lassen.

© Anne Kerlin

Sagst Du und gehst hinaus in den Regen.

Hanebüchene Reisen sind Vergangenheit.

Flüstere ich Dir hinterher und höre auf, Dich zu vermissen.

.

Lass mich bitte nie allein.

Sagst Du und drehst Dich um.

Hilflos steigt die Dekadenz ins Ungewisse.

Schreie ich in Dein Ohr und höre auf, Dich zu lieben.

.

Ich liebe Dich,

sagst Du.

Hilflos, hanebüchen, hämisch

schweige ich und höre auf zu sein.

© Kornelius Friz

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Frizz über Friz


Meine neue Heimat

Es ist ein echter VW-Bus. Kein Family-Van. Ein echter T3, Baujahr 1990. Genau wie ich. Es kleben so viele Bandsticker an den Armaturen, dass man auch nach Stunden Fahrt noch neue entdeckt. Am Steuer sitzt ein echter VW-T3-Fahrer mit langen Haaren. Wahrscheinlich ist auch der Baujahr 1990, aber das ist egal, denn er wirkt authentisch. Er ist schlaksig und am Finger trägt er einen smaragdfarbenen Ring. Er schweigt.
Aus den Lautsprechern, an die ein Smartphone angeschlossen ist, tönt gitarrenlastige Offbeat-Musik, die so legendär klingt, wie Bob Dylan, Bob Marley, Deep Purple und Pink Floyd zusammen. Ich kenne sie nicht, ich bin zu jung.
Des Fahrers schlanke Hand tippt den Rhythmus auf dem schweren Lenkrad ohne Servolenkung mit, die andere liegt auf dem ungehobelten, fast meterlangen Holzpflock, der einen monströsen Schaltknüppel darstellt.
Langsam röhren wir uns aus der Stadt und auf die Autobahn in Richtung Leipzig, die Sitze vibrieren, der Kopf schlägt im Takt gegen die brettharte Kopfstütze. Durch die Fenster zieht zugiger Fahrtwind in die Nacken. Wir kleben auf der rechten Außenspur, und der Motor schnurrt immer erregter. Es klingt ungesund. Es klingt, als wäre der Bus eine masochistische Raubkatze beim Geschlechtsverkehr. Der Fahrer dreht „Deep Floyd“ mit Bob Dylan und Marley so laut, dass die Musik den Motor übertönt.

Zwanzsch Liddr“ – knurrt er in seinen flaumigen Dreitagebart. Ich, um kennerisch-lässigen Eindruck bemüht, schreie: „Der frisst ’ne ganze Menge, was?“. „Von nüscht kommt nüscht“ sächselt der Fahrer, ohne zu antworten.
Small-Talk ist nicht so meine Sache“, sage ich im Smalltalk zu mir selbst. Ich zerbreche mir den Kopf über eine Möglichkeit, mit einer sinnvollen, aber natürlich total entspannten und einer total natürlichen Bemerkung Eindruck zu schinden und beobachte fasziniert seine Ray-Ban-Hornbrille. Sie scheint echt zu sein. Also echt retro. Echt vintage. Echt schon über zwei Jahrzehnte alt. “Sie wird trotzdem nur aus getöntem Fensterglas sein.“ plaudere ich weiterhin mit mir selbst und antworte nach einer lässigen Pause: „Ich finde Menschen, die Brillen mit Fensterglas tragen, lächerlich. Ihn nicht, denn er fährt T3. Er ist authentisch.“
Der Drehzahlmesser zeigt dauerhaft fünftausend Umdrehungen pro Minute an. Ich hoffe, dass er kaputt ist.
Wir kommen in einen Stau. In dem neben uns stehenden 5-er BMW mit Münchner Kennzeichen spiegeln sich die bunten Blumen und das „Anarchie-A“, das jemand auf den mattgrauen Lack unseres VW-Busses gemalt hat.

Ich kenne mich aus“ grummelt der Fahrer und verlässt die Autobahn ohne zu Zögern über die nächste Ausfahrt. Ich erzähle mir, dass dies später der Moment sein wird, ab dem ich das Unheil vorausgeahnt habe.
Stundenlang winden wir uns einsam und träge durch schmale Kurven zwischen Feldern und Wiesen und ich frage mich, warum sie diese Straßen so schmal und kurvig gebaut haben. Hier gibt es nichts, als Wiesen und Felder.

Ich gebe meine Bemühungen auf, Small-Talk mit dem Fahrer oder mir selbst zu führen und lese Schilder: Wilsdruff. Ostrau. Gallschütz. Zävertitz. Die verwitterten Schilder mit den hölzern-hinterwäldlerischen Ortsnamen sind Zeugen provinzieller Einsamkeit. Am rechten Straßenrand brennt ein LKW. Ich stecke mir eine Zigarre an. Sornzig-Ablaß. Querbitzsch, Nischwitz. Nerchau. Neichen. Nitzschka. Ich denke an Friedrich Nietzsche und frage mich, ob er Ossi war. Dafür spricht, dass er nicht an Gott glaubte, dagegen spricht, dass er noch heute als wichtiger Philosoph anerkannt ist. Wir sind in Nemt. Neben dem lenkradgroßen Lenkrad ohne Servolenkung klebt ein Warnhinweis: „Gefahr bei Berührung mit elektrischen Freileitungen.“ Ich fühle mich sicher.
Wir fahren durch Denkwitz, Fremdiswalde, Oelschuetz, Mutzschen. Roda. Würschwitz. Der Fahrtwind bläst mir durch die Haare. Als wir uns wieder der Zivilisation nähern, kreuzt von rechts ein bunter VW-Bus mit Kindersitz auf der Beifahrerbank. Die Fahrerin lächelt freundlich und hebt die Hand zum Gruß, als wären wir VW-Fahrer alle eine große Familie. Ich gehöre nicht dazu, ich fahre nur mit. Heimlich freue ich mich trotzdem ein wenig.

Wikipedia wird mir später verraten, dass Nietzsche tatsächlich in Ostdeutschland geboren ist, allerdings in Röcken bei Lützen, was in Sachsen-Anhalt liegt. Ich wollte nur günstig von Dresden nach Leipzig reisen. Jetzt bin ich froh, dass du mir meine neue Heimat gezeigt hast. Von nüscht kommt schließlich nüscht. Danke Mitfahrzentrale.de.

© Kornelius Friz

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Intellektuell, radikal, emotional: Stubenreim am 06.06.2012

Schauspieler Falko Köpp

Gestern gab es die zweite Ladung Stubenreim. Ein wunderschöner Abend, ein Abend der Kontraste.
Radikale Lyrik trifft auf holunderblütenfarbene Kurzgeschichten. Idealistisches Liedgut trifft auf schmachvolle Kindheitserinnerungen. Profis, die sitzend lesen, treffen auf Nachwuchsliteraten, die stehen müssen (wollen?). Gerrit glänzt durch Abwesenheit.
Ich bedanke mich bei allen Vortragenden für ihre fabelhaften Beiträge zu einer gelungenen ’soirée littéraire‘:

Tina Monet, Linn Penelope Micklitz, Mechthild Friz, Anne Kerlin, Tobi Mundtot, Jörn Hühnerbein und Falko Köpp.

Anne Kerlin erzählte in ihren Liedern große Geschichten

Ich freue mich auf den nächsten Stubenreim am Mittwoch, den 11.07.2012, bei dem die crème de la crème der Leipziger Literatur- (und Songrwiting)szene aufgefahren wird. Auf dem Laufenden bleibt man, wenn man hier Gefallen findet.

Weitere Veranstaltungen:

Freitag, 08.06.2012, Livelyrix Slam – Distillery (mit Linn Penelope Micklitz, Nadja Schlüter, Volker Strübing, Udo Tiffert, Kornelius Friz, uvm.)
Samstag, 23.06.2012, Poetry Slam – Wärmehalle Süd (mit André Herrmann, Kornelius Friz, uvm.)
Montag, 25.06.2012, Der Durstige Pegasus, Lesebühne in der Moritzbastei mit Kornelius Friz, Lisa Byl und Jens-Paul Wollenberg
Freitag, 29.06.2012, Poetry Slam – Biblioteca Albertina (mit André Herrmann, Peter Thiers, Linn Penelope Micklitz, Kornelius Friz, uvm.)

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